Heute abend stand die Erzählung einer Lebensgeschichte auf dem Programm. „Titus Bradsma, held of heilige?“ von Peter Vermaat. Es klang einigermaßen harmlos “ ‘ n theatrale vertelling“. Ich, der Mof, war seltsamerweise der mit Abstand jüngste im Publikum. Dazu dann die Geschichte, sehr eindrücklich erzählt und gespielt. Eine wahre Geschichte:
Ein kränklicher Mensch widersetzt sich dem Terror des NSB, der niederländischen Nazis, indem er sich für seine Prinzipien einsetzt. Er endet er in Dachau, wo er nach 5 Wochen Arbeitsfolter von einem Todesengel durch eine Injektion erlöst wird.
Ich sitze im Podium, der jüngste von allen. Was müssen die Senioren denken, wohl alle mit Kriegserfahrung. Die Deutschen haben das Land überfallen. Ihr Land. Mit welchem Recht? Woher nimmt sich ein Volk das Recht, andere Völker zu überfallen, Menschen zu töten? Woher nehmen Menschen das Recht, andere Menschen zu töten, zu foltern? Irak. Rwanda. Guantanamo Bay. Rote Khmer. Deutsche. Hoe krijgen zij het in de malle harses?
Es gibt am Ende Wein für alle. Völlig unpassend für mein Empfinden. Ich gehe nach Hause, als fast einziger.
PS. „Hoe krijgen zij het in de malle harses“ bedeutet „wie kriegen sie es bloß in ihren durchgeknallten Kopf“
Ein sicher bemerkenswerter Mann, der Titus, von dem ich durch dich zum ersten Mal höre. Trotz seines Studiums der Philosophie an der Päpstlichen Universität Gregoriana.
Vielleicht hätte Benedikt das auch tun sollen, Philosophie statt Theologie und Dogmatik.
Deine gemischten Gefühle während des Theaterabends und danach kann ich gut nachempfinden.
Kommentar von Neo Bazi — 27 Oktober 2007 @ 4:41
ze zijn niet goed snik.
Kommentar von mudshark — 30 Oktober 2007 @ 6:56
Lieber AK, ich war eine Weile nicht mehr hier, das war ein Fehler.
Vielen Dank für die Entscheidung, diese Fotos zu posten. Bilder und Text, Stimmung und Format, schauen und denken – ein großartiges Blogprojekt ist das hier geworden.
Kommentar von nachtschwester — 2 November 2007 @ 1:48
Ich bin ein Moffrikaner.
Kommentar von mq — 10 November 2007 @ 8:47
Hi Andie,
finde keine Mail-Adresse bei dir, würde dir gern ne Zeile zu deinem Ferdinandsdorf-Eintrag schreiben.
MichaelKH
Kommentar von mkh — 3 Februar 2008 @ 5:11
Woher nehmen sich Menschen das Recht, andere Menschen zu töten und zu foltern? – Weil wir näher am Tierinstinkt sind als wir meinen? Bis wir soviel Respekt haben vor dem Menschen als schützenswertes Wesen, werden mglw. noch Jahrtausende vergehen. Auch wenn es hier belächelt werden mag: die Liebe ist der einzige Schlüssel – Liebe zu sich selbst (also zum Körper und zum Geist) und zum Nächsten, also zur Natur (wozu auch wir selbst gehören). Wo landen wir denn immer wieder ohne Liebe? Wie sieht unsere Natur aus?
Kommentar von der Nachbar — 17 April 2008 @ 9:17
Liebe ist ein grosses Wort; im christlichen Glauben ist sogar Gott Liebe (deus caritas est). Viele Menschen haben ihre Mühe mit der Liebe – ich kann mich leider nicht davon ausnehmen.
Ich stimme Dir zu, das in der Liebe der Schlüssel zur Lösung von grundlegenden Menschheitskonflikten liegt, und ohne Liebe kein echter Friede bestehen kann.
Kommentar von Andie Kanne — 4 Mai 2008 @ 9:54