Harry Mulisch beschreibt in einem seiner Werke den Widerstand gegen die deutschen Besatzer in Haarlem während des Zweiten Weltkriegs, den viele Widerstandskämpfer mit dem Leben bezahlten. Die wohl bekannteste von ihnen ist Hanni Schaft, 24 jährig erschossen. An abgelegenen Stellen in den Dünen zwischen Haarlem und der nahen Nordsee sind dann auch einige Gedenksteine mit der Anzahl der an der jeweiligen Stelle ermordeten Juden und Partisanen erstellt. Nüchterne Steinquader.
Im einem weitläufigen Park südlich von Haarlem habe ich bei einem Spaziergang etwas abseits des Wegs einen in einen Baum eingeritzten Namen entdeckt. Wahrscheinlich nur, weil die Frühlingssonne einen Schlagschatten darauf geworfen hat.

Ein typisch deutscher Name mit einer Zahl, die für eine tausendjährige deutsche Geschichte steht. Soldat Meier – vielleicht war er auch Verwaltungsbeamter oder Verhörspezialist- hat gründlich gearbeitet. Möglicherweise an einem sonnigen Frühlingstag wie diesem, an dem die Sonne ihre ersten warme Strahlen auf eine damals junge Buche warf. Er ritzte nicht nur seinen Namen in die Rinde, er zerstocherte mit der Messerspitze auch das Holz, damit die Wunde sich mit Sicherheit nicht mehr schliessen und verwachsen konnte.
Somit holt mich 64 Jahre später die Geschichte wieder ein.
Ob Soldat Meier wohl Klaas Carel Faber kannte? Faber wurde kürzlich in Ingolstadt von einem Journalisten aufgespürt. Dort lebt er unbehelligt als einer der letzte lebenden holländischen Schlächter der SS. Geschützt vor Auslieferung durch die heutige deutsche Gesetzgebung.
Die Familie von Faber wurde übrigens 1944 von Hanni Schaft liquidiert.