In unserm Herzen ist die Nacht zuhaus
und will dem Lichte eines Tages nicht weichen.
An unsre Schläfe schlägt die Fledermaus
ein unentwirrbar blutiges Hakenzeichen.
An allen Ende fletschen ihre Zähne
die Wölfe, ihre Augen funkeln rot.
Es rüsten sich des greisen Volkes Söhne
zum Abendmahle ohne Wein und Brot.
Die Silberbecher rollen aus der Hand.
Die Brunnen sind vergast. Die Lüfte stechen.
Was wir besitzen: eine Klagewand,
an der die Fluten unsrer Tränen brechen.
—
Rose Ausländer, Ohne Wein und Brot, aus: Die Erde war eine atlasweißes Feld. Gedichte 1927-1956