Allerseelen (#5) – Helden

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10 Kommentare

  1. Sich verlieren, um sich zu finden – ein denkwürdiger Gedanke…

    Ehre den Rebellen des Widerstands gegen den NS!

    Neulich auf HR2 gehört: ein Radio-Essay über NS-Widerstand in Hessen, rund um Frankfurt. Es ist erstaunlich: Da gab es eine ganze Menge Frauen und Männer, die sich im Widerstand engagierten, meist mit dem Wort – Flugschriften usw. Sie spielten mit dem Feuer, und manch einer bezahlte seine mutige Überzeugung mit dem KZ-Tod.

    Und nun das Seltsame: Man hörte kaum was davon. Nach dem NS-Regime hatten diese Leute, die mit Mühe das NS-Regime überlebten, gar kein Interesse daran, sich zu outen, denn viele hatten Bedenken, dass sie auch noch nach der Diktatur Benachteiligung oder Gefahren ausgesetzt seien, zB als „Volksverräter“ angeprangert würden!

    Erst jetzt hat ein Historiker Interviews ausgewertet, die rund 5 Jahrzehnte nach dem NS-Regime entstanden.

  2. MKH: „…kein Interesse daran, sich zu outen, denn viele hatten Bedenken, dass sie auch noch nach der Diktatur Benachteiligung oder Gefahren ausgesetzt seien, zB als “Volksverräter” angeprangert würden!“

    Wahrscheinlich waren viele auch nicht an einer „Heldisierung“ der eigenen Person interessiert. Was ich als wohltuende Bescheidenheit empfinde, die in krassem Gegensatz zum Personenkult manch gegenwärtiger Kreise steht.

  3. Von diesen spreche ich nicht, und auch nicht der Herr Schleppey vermutlich.

    Ich spreche auch nicht von Holländern sondern von unseren Helden. Wir sollten der armen Teufel gedenken, aber wir sollten sie nicht zu Helden verklären. Ich habe gelernt: Jeder verklärte tote Held bedeutet drei im nächsten Krieg. (sinngemäß)

  4. Der Titel des Posts ist wohl irreführend, denn eigentlich geht es mir nicht um Heldentum.
    Der Grund, genau diese Tafel abzubilden und kein andere, liegt darin, dass auf dem holländischen Ehrenplatz mit nationaler Rang auch ein Deutscher liegen darf.

    Dachte ich.

    Henri Halberstadt war kein Deutscher, wie ich nun herausfinden musste, sondern ein holländischer Jude. Er stürmte mit einer Gruppe anderer Widerstandskämpfer als Polizisten verkleidet am 27.3.43 das Amsterdamer Einwohnermeldeamt. Danach sprengten sie das Gebäude.

    Die Vernichtung von Melderegistern und Patientenregistern wurde mit System betrieben, damit den Deutschen nicht die Namen und Adressen der Juden bekannt würden. Bekanntlich ohne allzu grossen Erfolg.

  5. Erst am vergangenen Samstag ist im Alter von 90 Jahren Peter Gingold gestorben, ein Frankfurter Jude und Widerstandskämpfer in der Résistance, der 1945 in die Stadt zurück kam und sich seither aktiv gegen Faschismus eingesetzt hat, Peter Gingold ist noch bis vor kurzer Zeit z.B. in Schulen gegangen und hat dort und an vielen anderen Orten wertvolle Aufklärungsarbeit geleistet.

    Er war einer der wenigen Menschen, vor denen ich mich verneigen würde. (Auch wenn ich mich ausdrücklich von den politischen Zielen seiner Partei distanziere.)

  6. Ich gestehe, ich war zu voreilig. Ich hätte bereits stutzig werden sollen nach mkh’s Kommentar und mich schlau machen sollen. Ich habe es nicht getan und erst nach deinem Hinweis herausgefunden, daß es sich um holländische bzw. überhaupt um Widerstandskämpfer handelt.

    Mein Schleppey-Zitat ist unpassend, es zielt auf sog. „normale“ Heldenfriedhöfe ab. Die Jahreszahl 1943 hat mich zusätzlich verwirrt.
    Widerstandskämpfer, die aus eigener Entscheidung für ihre Sache sterben, sind für mich durchaus Helden.

    Ich bin zwar aus anderen Gründen dagegen, unsere eigenen Leute um Stauffenberg als Vorbilder für die Bundeswehr hinzustellen, doch sind es gerade diese Leute, die mir sagen, daß ich mich nicht schämen muß, ein Deutscher zu sein. Und viele zivile aufrechte Frauen und Männer auch.

  7. Kein Problem, Opa.

    Finde das auch ein sehr schwieriges Thema. Hat der Mörder von Pim Fortuijn (ähnlich rechtspopulistisch -oder mehr- wie der Österreicher Haider) „gut“ gehandelt, weil er einen Volksverhetzer entfernte? Wann ist eine Situation ein Krieg, der Partisanen-Tätigkeiten in Namen der Verteidigung rechtfertigen würde? Ist irgendeine Form der Gewalt überhaupt gerechtfertigt, egal in welchem Kontext? Was wäre dann mit Stauffenberg, ein ganz profaner Mordversuchsverdächtiger oder ein Vorbild?


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