62 Jahre Frieden in Europa

Herzlichen Glückwunsch, Europa. Auf die nächsten 62 Jahre!

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12 Kommentare

  1. Die Lage Europas ist in diesem Zusammenhang grosszügig das Alte und Neue Europa nach moderner amerikanischer Definition.

    Bürgerkriege oder andere bewaffnete Konflikte, die unter das Deckmäntelchen Terrorismus fallen, sind nicht mitgerechnet. Ebensowenig Konflikte, die auf ausser-europäischem Boden durch Europäer ausgetragen wurden (bspw. Indonesien, Algerien).

    Aber das sind auch Peanuts mit Kollateralschäden, gelle. Jedenfalls wenn man es vergleicht mit den Errungenschaften des friedlich vereinten Europa, das wir im Gegensatz zu den Milliarden anderer Erdenbewohner bewohnen dürfen.

  2. das habe ich mir gestern auch gedacht: friedliches europa. aber leider leben nicht alle staaten europas in frieden. peanuts? och nöö, lass mal.

    das bild zeigt doch wohl eher einen gefangenentransport, n’est pas? insofern ein gelungenes ensemble, wenn man die schizophrene friedenswahrnehmung der europäer betrachtet.

  3. Wie gesagt, Perversitäten wie Bürgerkrieg, Stellvertreterkriege, Verwicklungen in Unabhängigkeitskriege oder Terror sind großzügig nicht eingerechnet.

    „Peanuts“ waren noch nie witzig, sogar Unwort des Jahres 1994. Es ging damals bei der berüchtigten Aussprache von Hilmar Kopper um 50 Mio DM als „Peanuts“ bei einer Gesamtschadenssumme von 5 Mrd DM.
    In (kalten) Zahlen gesehen nimmt sich der gesamteuropäische bzw. gar globale Krieg ’39-45 ähnlich aus. An die 60 Mio tote Soldaten und Zivilisten weltweit.
    Zehntausende Tote in Jugoslawien, Irland, Baskenland, etc.

    Und doch ist der Schreck und Schmerz durch diesen gemeinsamen Wahnsinn Europas so groß, dass 62 Jahre später der Frieden immer noch hält und Europa sogar politisch zusammengewachsen ist. Man kann und sollte diesen Frieden folglich feiern, das hat nichts Schizophrenes.

  4. Den Frieden feiern? Ich weiß nicht so recht. Mir ist nicht nach feiern zumute. Laut Wikipedia bezeichnet Frieden den „allgemeinen Zustand zwischen Menschen, sozialen Gruppen oder Staaten, in dem bestehende Konflikte in rechtlich festgelegten Normen ohne Gewalt ausgetragen werden.“ Diese Gewaltlosikeit sehe ich nicht in Europa, die Menschen werden immer gewalttätiger gegeneinander und dabei möchte ich nicht die immer so gern unterschätzte, aber nicht weniger gravierende, psychische Gewalt vergessen. Gut, es schwirren keine Kugeln durch die Luft, man muss nicht durch die Straßen um sein Leben rennen! Doch wieviele Menschen müssen tagtäglich um ihre Lebensgrundlage fürchten, bspw. mitten in Deutschland? Kriege werden heutzutage in Europa anders geführt, aber die Begrifflichkeiten sind nachwievor vertraut, wie zum Beispiel „feindliche Übernahmen“, „Giftpillen“, „Wirtschaftsspionage“, „Importverbote“

  5. Das ist ein großer Unterschied. Ich kenne nun 5 Jahre Krieg und 62 Jahre Nicht-Krieg direkt um mich herum.

    Deshalb habe ich am 8. Mai auch in aller Stille mit einem Bessen-Genever und mir selbst angestossen.

    Wir sollten allerdings darauf achten, daß wir uns den heißen Krieg, in welcher Form auch immer, nicht selbst hereinholen ins Land.

  6. Der Nachbar, ich schliesse mich Opa an. Ein harter Alltag, schwierige Verhältnisse, unsichere Zukunft oder eine bedrohter sozialer Status sind sicher unangenehm.

    Aber stelle Dir doch mal vor, dass

    – Dein gesamter Besitz durch einen Bombenangriff gestern in Sekunden venichtet ist. Nun weisst Du nicht wohin.

    – Dein Leben durch Zwangsrekrutierung an die Front akut bedroht ist. Auf Fahnenflucht steht Todesstrafe.

    – Du eigentlich niemanden mehr kennst, der nicht einen toten lieben Menschen in der Familie zu beklagen hat.

    – Du gefoltert wirst wegen eines unvorsichtigen Blog Eintrags vor langen Jahren. Du sitzt nun schon seit 4 Jahren im diesem Gefängnis, ohne zu wissen warum und ohne irgendein juristisches Verfahren.

    – Dein Hunger unerträglich ist und Du ihn nur noch mit gestohlenen Lebensmitteln ab und zu stillen kannst.

    – Deine Kinder wegen Hunger nicht mehr schlafen können und Du ihre Gesundheit nicht mehr sichern kannst, weil Du dieses dringend nötige Antibiotikum gegen die schwere Lungenentzündung nicht auftreiben kannst.

    – Du jemanden getötet hast, weil er Dich sonst getötet hätte. Zwar ’nur ‚ mit einem Schuss aus Deinem Gewehr und nicht mit einem Messer oder Knüppel Mann gegen Mann. Aber Du hattest keine andere Chance, dein Einsatzleiter hatte das Stürmen des Hauses mit den schreienden Frauen befohlen. Seitdem hast Du jede Nacht denselben Alptraum.

    – Du auf dem Weg in die Munitionsfabrik heute erstmals mit eigenen Augen gesehen hast, dass ein Menschen an einer Strassenlampe aufgehängt wurde. Du kanntest ihn flüchtig von früher, sein Vater war Ausländer.

    Diese Horrorvorstellungen und unzählige und grausamere mehr sind Alltag in einem Krieg. Mal weniger, mal mehr, mal subtil, mal direkt. Gewalt kommt, wie Du schreibst, in verschiedenen Formen. Es geht nicht mehr um Status, Zukunft oder Ideale, sondern um das Überleben an jedem einzelnen Tag.

    Frieden darf man täglich feiern und muss ihn täglich schützen. Meiner Meinung nach ist es zur Relativierung der eigenen-/gesellschaftlichen-/Welt-Situation ab und an hilfreich, zum Vergleich die Geschichte heran zu ziehen.

  7. Ich möchte mir nicht anmaßen, von Frieden zu sprechen, da um uns herum alles andere als Frieden ist. Ich sehe eine Gefahr darin, persönliche Ruhe als Frieden zu bezeichnen, da man so leicht verführt würde, zu denken, nicht weiter am Frieden arbeiten zu müssen. Sähe ich die Unbeschadetheit meines Leibs allein als Maß des Friedens, müsste ich dir sofort, ohne wenn und aber zustimmen. Dass es meinem Leib gut geht, dafür bin ich natürlich dankbar. Aber warum sollte ich feiern? Das empfände ich zynisch anderen Menschen gegenüber, die im gleichen Moment gefoltert werden! Von diesen ganzen Punkten, die du da angeführt hast, mögen wir beide verschont sein, glücklicherweise. Es lässt sich im Übrigen so manches Leid nicht durch ein anderes Leid relativieren, da jedes Leid subjektiv furchtbar empfunden werden kann. Und eine objektive Wahrheit gibt es nicht, es gibt nur Normen, an denen sich begrenzt Wahrheiten festmachen lassen. So theoretisch kann nur jemand sprechen, der keinen Krieg erlebt hat…? Stimmt!

  8. Für meine Wahrnehmung ist Friede in Europa, und auf den beziehe ich mich. Es gibt Konflikte, latente Krisenherde, Anschläge und vereinzelt Gewalt, aber keine akute Kriegssituation. Hierüber bin ich sehr dankbar und freue mich! Völlig unabhängig von den den aktuellen Kriegen sonstwo in der Welt.
    Es ist ja auch nicht so, dass wir diesen Frieden kostenlos erhalten hätten oder nur weil wir halt Europäer sind.
    Meine, und wohl auch Deine, Vorfahren haben sich über Jahrhunderte mit anderen Europäern den Schädel lange einschlagen müssen, um zu dieser Vernunft zu kommen. Ich erinnere an bspw den 30-/80-jährigen Krieg oder die etlichen deutsch-französischen Kriege. Mein Opa, der arme Kerl, musste in gleich zwei Kriegen den Kopf hinhalten. Für Kaiser, Führer und andere Deppen (… und viel un-politischer/un-rassistischer/un-monarchischer wie er kann man wohl nicht sein. Das möchte ich gerne anmerken, um kein G’schmäckle einzubringen). Die -am langen Ende immerhin süssen- Früchte dieses europäischen Wahnsinns können wir heute genießen. Warum sollten wir das nicht tun?

  9. Lieber guter Nachbar,

    natürlich ist die Welt ein riesiges Hospital, in dem sich neben Unwohlsein und vorübergehender Unpäßlichkeit auch schwerere und tödliche Krankheiten der menschlichen Rasse ihr tägliches Stelldichein geben.

    Es ist doch schön, wenn hin und wieder ein paar Patienten als geheilt entlassen werden können. Warum sollten diese nicht triumphieren? Warum sollte ich den Sieg in einer Schlacht gegen mich selbst nicht feiern?
    Beständiges Mitleiden mit den Gebrechen der anderen macht keinen Sinn, Mitgefühl und Mithilfe schon.

    Wirklich gefährlich wird es dann, wenn Mediziner und Pflegepersonal beginnen, selbst mitzuleiden und vergessen, distanziert und pragmatisch zu handeln. Hier sind Abschalten und (Erfolge) Feiern können geradezu Voraussetzung für die wirksame Weiterführung ihrer heilsamen Tätigkeit.

  10. Pingback: Club der halbtoten Dichter » Skagerrakschlacht


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